Evakuierung - Der neue Stand der Technik
Die grundsätzlichen Anforderungen für ein Brandschutz- und ein Evakuierungskonzept für ein Gebäud sind bekannt. Während sich die Vorschriften für die Brandsicherheit und somit auch für eine Evakuierungsplanung (Simulation einer Entfluchtung mit optimistischen Vorgaben) nach und nach gemächlich weiter entwickeln, ist der im akuten Alarmfall direkt auf Personen wirkende Hinweis für eine Evakuierung des Gebäudes mehr oder weniger technisch auf dem Stand vor Jahrzehnten stehen geblieben. Hier dominiert das beleuchtete statische Rettungskennzeichen immer noch unverändert den Markt. Und dies nunmehr seit 50 Jahren.
Auch eine Ausführung gemäß den techn. Regeln für derartige Anlagen bewirkt in der Praxis nicht immer den gewünschten Effekt einer geordneten Räumung eines Gebäudes. Tatsächlich werden die klassichen Rettungskennzeichen nach aktuellen Studien relativ wenig beachtet, im Alarmfall entsteht bei Flüchtenden meist wenig bewußtes Vertrauen in die - in der Planungsphase simulierten Evakuierungskonzepte - und es wird keine Information über die Gefahrenzone vermittelt. So versuchen viele Menschen einfach auf gut Glück ihren eigenen Weg aus dem Gebäude zu finden.
Dies kommt auch daher, weil manche Gebäudebetreiber versuchen, Rettungskennzeichen eher unauffällig zu halten, um den Gesamteindruck eines Gebäudes nicht zu stören. So gibt es eine Differenz zwischen den Anforderungen im Gefahrenfall (auffällig, möglichst klar erkennbar) und den Wünschen eines Gebäudebetreibers im normalen Gebäudebetrieb (unauffällig, der Gebäudearchitektur angepasst).
Flexit Schilder bewerkstelligen beides, eine richtungsweisende Funktionalität im Alarmfall, aber auch eine wunschgemäße "Mehrwert"-Funktion für den normalen Geschäftsbetrieb.
Deshalb geht Flexit den Weg der "digitalen Schilder". Dies sind programmierbare und vernetzte Monitore mit hoher regelbarer Leuchtkraft, mit einer Textzeile und optional mit einem Lautsprecher; also die Kombination "Bild und Ton".
Es können viele Anforderungen je nach Gebäude kundenspezifisch programmiert werden. Auch Gebäude mit ganz besonderen Anforderungen z.B. eine Schule für gehörbehinderte Kinder oder ein Krankenhaus für gehbehinderte Patienten können mit diesen applikationsspezifischen Lösungen versorgt werden.
Mit dem dynamischen Flexit-Evakuierungssystem sollen die Personen optisch und akustisch verständigt werden, daß Gefahr im Verzug ist und, weil das System Brandabschnitte und Stockwerke berücksichtigt, durch einen günstigen Fluchtweg geleitet werden. Dies kann mehrsprachig erfolgen, in grösstmöglicher Verständlichkeit und synchron zur Fluchtweg-Richtung und mit einer akustischen Ansage.
Einem statischen Rettungszeichen ist es nicht möglich, abhängig von Gefahrenort Informationen zu vermitteln und häufig ist es schwierig, Einsatzkräfte im Gebäude vor Ort aktuell zu informieren.
Das dig. Schild läßt zB optional auch in der Textzeile eine Anzeige der Konzentration von Rauchgasen zu. Der Anschluß eines Sensors ist möglich.
Anzeigen von Piktogrammen, Bildern und Texten, sowie Durchsagen von Gebäudeinformationen sind mit der Flexit-Anlage gleichermaßen realisierbar, die Anlage ist nicht nur auf die Darstellung von Rettungskennzeichen ausgerichtet.
Näheres über die Evakuierungsmodellierung:
Bisher werden bei der Gebäudeplanung Brandereignisse im Modell simuliert und die jeweiligen Sicherheitsaspekte bewertet. Zielsetzung der Brandmodellierung ist es u. a. durch die bekannten Brandlasten der verwendeten Baustoffe deren Entflammbarkeit, das Rauchverhalten, die zu erwartende Temperaturentwicklung usw. zu erkennen und damit auch das Gefährdungspotential von Personen beurteilen zu können.
Bei den öffentlich-rechtlichen Schutzzielen des Brandschutzes steht die Sicherstellung der Flucht und Rettung von Personen im Vordergrund. Hierfür werden Informationen über die zu erwartende Anzahl von Personen im Gebäude und deren wahrscheinliches Verhalten benötigt. Durch eine Personenstromanalyse in der Planungsphase mit einer Berechung der Räumungszeiten soll der rechnerische Nachweis erbracht werden, dass theoretisch eine ordnungsgemäße Evakuierung aus einem Gebäude binnen einer gewissen maximalen Zeitspanne möglich sein wird. Diese Grundannahmen sind allerdings als optimistisch zu betrachten, wäre da nicht der so schwer kalkulierbare Faktor "Mensch", der in Stress- und Paniksituationen praktisch unkalkulierbar wird.
Wichtig für den Ablauf einer Räumung ist auch die Beeinflussung des Verhaltens von Personen im Falle von Rettungsweg-Alternativen. Bei der Wahl des Rettungsweges sind verschiedene Einflussfaktoren (Ortskenntnis, für das Betreten des Gebäudes, benutzter Weg, Markierungen, Fluchtleitsystem, Informationssystem, Akzeptanz von Notausgängen, Einwirken von Personal) zu beachten.Unter Umständen kann es dabei zu einer ungleichmäßigen Auslastung von Fluchtwegen kommen mit entsprechenden ungünstigen Konsequenzen für die Gesamträumungszeit.
Durch die Anwendung von Entfluchtungsmodellen sollen also mögliche Problemsituationen vorhersehbar gemacht und die Untersuchung von Alternativen ermöglicht werden. Spezielle Modelle zur Berechnung der Konsequenzen extrem hoher Personendichten (im Bereich der Stillstandsdichte), können ? sofern sie ausreichend validiert sind ? unter Umständen Hinweise auf lokale Maßnahmen zur Erhöhung der Personensicherheit geben, nicht jedoch für die Bemessung und Auslegung von Fluchtwegen in einem Gebäude eingesetzt werden.
Hier setzt das Flexit-Evakuierungssystem an, das (ausgelöst durch einen aktivierten Brandmelder) "weiß", wo Gefahr droht und welcher Rettungsweg bzw. welche Rettungswege durch das Gebäude benutzbar sein werden. Dies hilft, Evakuierungszeiten zu verkürzen.
Schließlich wird es für Bauherrn interessant sein, daß mit einer ausgeklügelten Streckenführung die Rettungsweglängen von 35m auf 50 m bzw. bei entsprechenden Deckenhöhen auf max. 70 m verlängert werden können.
[Quelle ausschnittsweise: Leitfaden Ingenieurmethoden des Brandschutzes herausgegeben von Dietmar Hosser, 2. Auflage Mai 2009 Technisch-Wissenschaftlicher Beirat (TWB) der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb)]
